Nach dem Smalltalk in dieser Woche mit meinem Sohn und nachdem Lutz Schramm das Thema Einstufung noch einmal aufgegriffen hat, erinnerte ich mich auch wieder an die alte Zeit.
Wir waren damals noch recht jung an Jahren, vielleicht 14/15, hatten unsere Band, einen Proberaum und arbeiteten an unserer Einstufung. So eine Einstufung war notwendig, wenn man öffentlich vor einem Publikum spielen wollte. Konzerte ohne Einstufung waren mehr oder weniger illegal bzw. nur mit geschlossener Gesellschaft möglich.
Die Songs für die Einstufung hatten wir schon fast komplett. Man mußte aufpassen, daß man die Mischung aus 70/30 oder war es 80/20 einhält. Soll heißen 20 oder 30 Prozent des Programms mußten eigene oder DDR-Songs, der Rest durfte internationale Musik sein. Ein DDR-Titel, an den ich mich heute noch erinnere ist Apfeltraum von Renft. Ansonsten hatten wir noch ein paar Sachen von Pasch gecovert und spielten natürlich auch unsere eigenen Songs.
Irgendwann wurden wir von der SED-Kreisleitung zu einem Gespräch eingeladen. Wir waren natürlich ziemlich aufgeregt und der Kulturmensch, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, hielt große Reden.
Zum Beispiel hielt er unseren Namen “Schock” nicht für angemessen. Wir sollten uns doch besser “Jugendteam 85″ nennen.
Danach hielt er uns einen Vortrag über das äußere Erscheinungsbild und die Rolle eines Musikers in der sozialistischen Gesellschaft. Er kam auch schnell zu “seiner Problemband” namens “Schleimkeim“, die damals hier im Erfurter Raum immer wieder für mysteriöse Schlagzeilen im Buschfunk sorgte.
Wir waren wie schon erwähnt ziemlich jung (eigentlich noch halbe Kinder), hatten lange Haare und waren nicht schmuddelig oder keimig. (Mehr Blueserscheinung als Punk, aber für ihn war das sicherlich das selbe.)
Dann stellte er uns noch die Frage, ob es denn nicht förderlicher für uns wäre, wenn wir unter der Führung der FDJ musizieren würden. Da gäbe es finanzielle Förderung etc. blabla
Das kam für uns natürlich keinesfalls in Frage.
Im Großen und Ganzen verlief das Gespräch so weiter. Wir saßen da, hörten uns seinen Monolog an und zogen wieder von dannen. Immer wieder herzlich lachend über seinen Vorschlag “Jugendteam 85″.
Irgendwann kam dann mal ein älterer Herr mit einer Dame zur Probe und wollte/sollte uns fördern. Ich habe bis heute keine Ahnung, wer die beiden zu uns bestellt hat, denn sie kamen im Auftrag der FDJ und wir wollten ja nicht unter deren Führung spielen.
Die Probe verlief natürlich auf Grund der unterschiedlichen Herangehensweise an das “Musizieren” nicht undbedingt förderlich für unsere weitere Förderung. Das war uns zu diesem Moment nur recht.
Wie auch immer, was wir auch weiter anstellten und probierten, zu einer Einstufung haben wir es nie gebracht. Wir hatten noch bis ungefähr 1991 Spaß an der Musik und einige Kumpels von damals haben es immer noch, wenn sich auch die Musikrichtung geändert hat. Ich habe mich seit Anfang der 90er mehr zu den Computern hingezogen gefühlt.
Im Nachhinein betrachtet, finde ich es schade, daß man auf diese Art am “Musikmachen” gehindert wurde. Aber die Zeit war vielleicht wegen dieser kleinen Geschichtchen gerade deshalb so schön und aufregend spannend.
Hach…was waren das für Zeiten…