Archiv für Juli 15th, 2007

Hach die Kinder

Sonntag, 15. Juli 2007

Wenn sie klein sind, sind sie alle so süß und schnuckelig, wenn sie größer werden, ändert sich dieser Zustand von heute auf morgen, ehe es manche Eltern mitbekommen.

Waren die beiden Jungen auf einer Party heute noch zwei gute Freunde, kann diese Freundschaft  morgen schon eine Feindschaft sein.

Warum? Der eine überlegt und trägt den Kopf nicht nur zum Haar schneiden, nein, er läßt sogar sein Haar lang und länger wachsen, der andere schneidet es ab, so kurz, daß es kaum noch mehr zu sehen ist. Auf einer Party ein paar Wochen später treffen sich die beiden wieder, diskutieren, gehen im Streit auseinander, ein hartes Wort fällt, das andere folgt.

Einer (der mit den langen Haaren) geht nach Hause, um seine Eltern nicht zu enttäuschen. 22Uhr soll er zu Hause sein und er weiß, seine Eltern machen sich Sorgen, wenn er nicht zum verabredeten Zeitpunkt zu Hause erscheint. Er macht sich also auf die Socken.

Nach ein paar Metern stellt er fest, daß er von seinem Diskussionspartner verfolgt wird, er nimmt die Beine in die Hand, es nützt nichts, der Kurzhaarige erwischt ihn und schlägt ihn mehrmals mit der Faust ins Gesicht.

Ein Kinderstreich?

22:30, die Eltern des langhaarigen Jungen schlagen Alarm und machen sich mit Hund etc. auf die Socken ihren Jungen zu suchen. Er läuft ihnen 30-45 Minuten später verstört in die Arme und es braucht seine Zeit, bis er sich klar und deutlich ausdrücken und artikulieren kann. Die Eltern erfahren: Er wurde vom kurzhaarigen "Freund" seit 22Uhr verfolgt und geschlagen.

Die Eltern des langhaarigen Jungen rufen die "Freunde und Helfer" an, die sich trotz mehrmaligen Anrufens und Bitten nicht erbarmen vor Ort zu erscheinen um Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Die Eltern fahren mitsamt dem Jungen ins Krankenhaus und lassen ihn untersuchen. Danach geht es auf das zuständige Polizeirevier, vor dem die Eltern mit ihrem geschlagenen, schockiertem Jungen, nach mehrmaligem klingeln an der Pforte, vor verschlossener Türe stehen.

Die Eltern hatten den Eindruck, daß der zuständige Beamte schlagartig Tarnmaßnahmen ergriff, sobald sich die Eltern an der Klingel des Polizeireviers zu schaffen machten, oder ihm durchs geschlossene Fenster zuwinkten oder sich anderweitig lautstark bemerkbar machten.

Kurzum, die Aktion wurde abgebrochen und am nächsten Tag eine Anzeige erstattet. Der Name des Prüglers war bekannt, Zeugen waren vorhanden.

Die Mutter des Jungen erkundigte sich wenige Tage später nach dem Stand der Ermittlungen und dem Ablauf. Von der zuständigen Beamtin wurde ihr nur mitgeteilt, daß sie ihr keine Auskunft geben dürfte.

Nach ein paar Tagen wurden die Zeugen vorgeladen (einer der Zeugen war der Cousin des kurzhaarigen Prüglers). Diesen wurde durch die zuständige "Freundin und Helferin", laut nachfolgendem Gespräch mit den Eltern, auf Anfrage mitgeteilt, daß nichts weiter passieren wird.

(Wir erinnern uns: "Der Mutter des geschlagenen Jungen wurde keine Auskunft erteilt.")

Die Eltern sind natürlich ob des Informationsflusses begeistert vom Rechtsstaat BRD und deren Exekutive.

Vor ein paar Tagen flatterte Post ins Haus von der Initiative "Täter Opfer Projekt". Dieses Projekt versucht "Täter und Opfer" an einen Tisch zu bekommen, die Sache gütlich zu regeln, wenn nötig auch auf materieller Basis. Dies setzt natürlich vorraus, daß beide Seiten einsichtig sind bzw. darüber nachgedacht wird, ob ein paar Schläge in das Gesicht eines anders Denkenden eine gute demokratische Basis ist. Leider war der kurzhaarige "Freund", sich auch nach einem langen Gespräch, mit einer Mitarbeiterin vom "Täter Opfer Projekt" sicher, richtig und keineswegs falsch gehandelt zu haben und fand nichts schlimmes daran Andersdenkende zu verfolgen und ihnen in ihr Gesicht zu schlagen. Seine Mutter meinte wohl, daß das die Jungs unter sich ausmachen sollen. Wie schlau von Mutti Kurzhaar, scheint sie sich doch des Gewaltpotentials ihres Sohnes völlig im Klaren zu sein!

Die Eltern des langhaarigen Jungen waren um ein zweites mal begeistert, als sie diese Informationen erfuhren, liesen aber den Sohn entscheiden. Sind ihm ein paar Faustschläge ins Gesicht, ein paar hundert oder tausend Euro wert? Nein, sagt dieser….Vater war stolz, Mutter auch, Frau vom "Täter Opfer Projekt" sah die Sache ebenso.

Nun geht die Sache vor den Staatsanwalt. Abwarten, ob dieser das auch als normal ansieht, daß ein 13-Jähriger fast eine Stunde verfolgt und mehrfach mit Faustschlägen ins Gesicht verletzt wird.

Und nein, die Geschichte ist weiß Gott nicht fiktiv, sondern bitter, ernste, böse Wahrheit hier in Erfurt!

Beim Schreiben der letzten Zeilen wurden wir spontan an ein Bild eines Printmagazins  unserer Jugend erinnert. In diesem war seinerzeit ein "intelligent wirkender" Typ zu sehen, der den rechten Arm in die Höhe riss und sich, sicher nur aus Taktik und ob der Performance, vorher ein riesengroßes Fleck in die Hose gepisst hatte.

Keiner von uns kann sich mehr erinnern, ob das Bild aus der Titanic, Messitsch oder  Kowalskie stammte. Unten eine klitzekleine Version dieses Bildes, leider nur schwarz/weiß, was allerdings genügen sollte, um eine Vorahnung zu bekommen. Übrigens das einzige Bild, das wir fanden. Damals Synonym für die "Bewegung".

Wir haben keine Ahnung, in welcher Position dieser schlaue, intelligent anmutende Herr heute sitzt. Wir sind uns allerdings sicher, daß er es in seinem Lager weit gebracht haben muß, da er sich, wie auf diesem Bild unschwer zu erkennen, von der dummen Masse, schon damals, weit distanzierte. 

Er war "dolz, ein Stoitscher zu sein…."

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